Melezitose kann für Imkerinnen und Imker zum echten Problem werden: Der Honig kristallisiert unter Umständen bereits in den Waben aus und wird dann zum sprichwörtlichen „Zementhonig“. Auf dieser Seite findest du die wichtigsten Hintergründe (Entstehung, typische Trachtsituationen) und praxiserprobte Maßnahmen – von Sofortschritten bis zu Verfahren zur Gewinnung bzw. Verwertung.
Herkunft und Entstehung
Was ist Melezitose?
Melezitose ist ein Trisaccharid (Dreifachzucker), das chemisch aus einer Saccharose-Einheit besteht, an die zusätzlich eine Glucose gekoppelt ist. In der Waldtracht stammt Melezitose nicht aus Blütennektar, sondern aus Honigtau – und die Mengen unterscheiden sich stark je nach Honigtauerzeuger und Trachtgeschehen.
Bei typischen Honigtauquellen werden in der Praxis grob folgende Muster beobachtet: In Tannenhonigtau sind die Melezitoseanteile oft eher moderat, während Fichtenhonigtau tendenziell höhere Anteile aufweist. Besonders hohe Melezitosegehalte können im Honigtau der Großen Schwarzen Fichtenrindenlaus auftreten (Cinara piceae).

Bei der Verarbeitung des eingetragenen Honigtaus wird Melezitose durch die Bienen vergleichsweise langsam verändert. Je höher der Melezitoseanteil im Rohstoff ist, desto wahrscheinlicher bleibt ein relevanter Anteil im fertigen Honig erhalten. Das erklärt auch die Praxisbeobachtung: Sehr melezitosearme Honigtauhonige bleiben lange flüssig, während melezitosereiche Honige deutlich früher auskristallisieren – im Extremfall schon in den Waben.

Warum tritt Zementhonig oft spät in der Fichtentracht auf?
Honigtautrachten sind häufig Mischtrachten: Mehrere Lausarten tragen zeitlich versetzt zum Rohstoffangebot bei. Bei Fichte prägen zu Beginn oft andere Gruppen das Geschehen; später kommen weitere Arten hinzu – und in späten Phasen können Arten dominieren, die besonders melezitosereichen Honigtau liefern. Dadurch häufen sich „Zementhonig“-Situationen nicht selten erst gegen Ende einer Fichtentracht.
Zusätzlich spielt die räumliche Struktur eine Rolle: Verschiedene Läuse besiedeln unterschiedliche Bereiche am Baum (außen/innen, Triebe/Rinde, Nadeln), sind im Bestand ungleich verteilt und werden von Völkern am selben Standort nicht identisch genutzt. Deshalb können deutliche Unterschiede zwischen Völkern entstehen – sowohl im Anteil als auch in der Ausprägung der Kristallisation.

Der Name „Lärchenzucker“ – und ein häufiges Missverständnis
Melezitose wurde historisch im Honigtau von Lärchen beschrieben und erhielt daher die Bezeichnung „Lärchenzucker“. Das führt bis heute gelegentlich zu der Annahme, Melezitose entstehe ausschließlich an Lärchen und „Zementhonig“ sei ein reines Lärchenphänomen. Praktisch ist das jedoch nicht zutreffend: Melezitose kann in verschiedenen Honigtaukonstellationen auftreten – und regional spielt die Lärche vielerorts für die Waldtracht keine entscheidende Rolle.
Maßnahmen in der Praxis
Bei stark melezitosereichen Trachten kristallisiert der Honig mitunter innerhalb weniger Tage in den Waben. Hohe Tageszunahmen können das Problem verschärfen. Die wichtigsten Risiken sind:
- Zu früher Schleuderversuch: Wenn Waben noch nicht reif sind, ist der Wassergehalt häufig zu hoch – Gärung wird wahrscheinlicher.
- Schleuderbarkeit geht verloren: Nach beginnender Kristallisation lässt sich Honig oft nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr ausschleudern.
- Wintertauglichkeit: Große Mengen melezitosereichen Honigs sind als Winterfutter problematisch und sollten nicht in den Völkern verbleiben.
Sofortmaßnahmen während der Tracht
Wenn die Tracht läuft und du erste Anzeichen von Zementhonig siehst, kann es helfen, den starken Bautrieb zu nutzen: Gib Mittelwände, lasse sie zügig ausbauen und entnimm die frisch ausgebauten, noch unbefüllten Waben nach 1–2 Tagen wieder als Reserve. Diese Reservewaben kannst du später – je nach Situation – zum Umtragen oder Einfüttern nutzen. Alternativ lässt du gezielt einzelne Waben volltragen, um später mit einem passenden Verfahren weiterzuarbeiten.
Gewinnung und Verwertung: bewährte Verfahren
Welche Methode passt, hängt vor allem von (i) Trachtende ja/nein, (ii) Umfang der betroffenen Waben, (iii) Gerätschaften und (iv) Zeitplan (Einfütterung/Varroa) ab. Die folgende Übersicht ist als Entscheidungshilfe gedacht:
| Methode | Benötigt | Vorgehen | Hinweise |
| Waben entnehmen und nach Trachtende umtragen lassen | lebensmittelechte Behälter / Zargen, Leerwaben, Folie, ggf. Abstand/Leerzarge zur Raumvergrößerung |
Direkt nach Trachtende Waben öffnen (entdeckeln). Kurz anwärmen bzw. anfeuchten (z. B. warmes Wasser), dann oberhalb eines Absperrgitters in einem Aufsatz mit Leerwaben anbieten. Bienen tragen den Honig aus und lagern ihn um. |
Funktioniert deutlich besser, wenn wirklich Trachtende erreicht ist. Zeitbedarf kann hoch sein; Honigverluste sind möglich; Kristallreste können an Folien/Flugbrettern auftreten. |
| Waben lagern und im Frühjahr umtragen lassen | kühler, trockener Lagerraum zur Wabenlagerung | Verdeckelte/betroffene Waben trocken einlagern und im Folgejahr in einer Phase mit guter Volksentwicklung und Trachtlücke gezielt ins Brutnest-/Randbereich geben, damit sie ausgeräumt und umgetragen werden. |
Kann Frühtrachthonig dunkler machen und Sortenreinheit beeinflussen. Dafür zeitlich oft entspannter, weil nicht mitten in der Sommerarbeit. |
| Honig lösen und als Futterlösung verwenden | großer lebensmittelechter Behälter, warmes Wasser, Gewichte zum Beschweren, ggf. Rührwerk, Futtergeschirr |
Waben öffnen und mehrere Stunden in warmem Wasser lösen lassen (beschweren). Honiglösung abziehen/abseihen und zeitnah an starke Völker verfüttern. Leere Waben als Lagerraum anbieten. |
Arbeitsintensiv und nur sinnvoll, wenn keine Tracht mehr läuft. Hygienisch sauber arbeiten und zügig verfüttern (Gär-/Räuberei-Risiken minimieren). |
| Wabenteile ausschmelzen (nur unbebrütete Bereiche) | geeigneter Wachsschmelzer (z. B. Entdeckelungswachsschmelzer), Lagerbehälter | Honigreiche, unbebrütete Wabenbereiche bzw. Wildbau-Stücke ausschneiden und ohne Rähmchenmaterial einschmelzen. Nach dem Abkühlen kann Honig/Restlösung getrennt abgelassen werden. |
Qualität kann je nach Temperatur/Verfahren leiden; ggf. Untersuchung/Prüfung sinnvoll. Nicht für bebrütete Waben geeignet. |
| Waben pressen (wenn Technik verfügbar) | Pressverfahren / Dienstleister, geeignetes Handling der Wabenstücke | Unbebrütete Wabenbereiche oder Wabenstücke pressen (ggf. Zwischenlagerung in geeigneten Behältern). | Ergebnis kann sensorisch abweichen; Aufwand/Kosten variieren. Bei belasteten Waben können Rückstände im Honig problematisch sein. |
| Stippen/Anstechen + schleudern | Igelwalze / Stippgerät / geeignete Honiglöse-Technik | Honig in den Zellen durch mehrfaches Stippen lösen, anschließend schleudern. Je nach Kristallisationsgrad verbleiben oft Restmengen in den Waben. |
Hoher Arbeitsaufwand; Waben können stärker leiden (werden aber oft wieder ausgebessert). Bei leicht bis mittel kristallisiertem Honig häufig praktikabel. |
Melezitosereste in Futterkränzen: Risiko im Winter
Große melezitosereiche Futterkränze sollten möglichst nicht direkt im Bereich des späteren Wintersitzes verbleiben.
Wenn Völker früh in der Winterphase an umfangreiche Mengen ballaststoffreicher Nahrung gelangen und gleichzeitig lange Flugpausen auftreten, kann das die Kotblase stark belasten und das Risiko von Ruhr-Symptomen erhöhen. Im ungünstigen Fall sind deutliche Verluste möglich.
Praxistipp: Markiere Brutwaben mit großen Melezitose-Futterkränzen (z. B. farbige Reißzwecken) und hänge sie möglichst an den Rand oder bündele sie gezielt in wenigen Völkern oberhalb eines Absperrgitters (wenn du später noch eine Verarbeitung planst). Danach konsequent entnehmen und passend verwerten.
Konsistenz und Verarbeitung des Honigs
Melezitosehonig kann geschmacklich sehr attraktiv sein, bleibt jedoch häufig trüb und kristallisiert grob. Leichte Ausprägungen lassen sich rühren; die Konsistenz wird aber meist nicht vollständig feincremig. Eine thermische Verflüssigung (z. B. über Wärmetechnik) wird in der Praxis genutzt, kann jedoch Qualitätsparameter beeinflussen (z. B. enzymatische Aktivität; bei zu hoher/zu langer Erwärmung steigt zudem das Risiko unerwünschter Wärmeeffekte). Hier lohnt sich ein besonders sorgfältiges Temperatur- und Zeitmanagement.
Weiterverarbeitung zu Met
Bei der Vergärung zu Met werden vor allem die vergärbaren Einfachzucker umgesetzt. Melezitose selbst ist für viele Hefen nur eingeschränkt nutzbar – das erschwert eine präzise Rezeptplanung und führt häufig zu deutlicher Restsüße. Wenn du Met daraus herstellen willst, ist Erfahrung (oder ein erprobtes Rezeptprofil) sinnvoll, um Gärverlauf, Restzucker und Stabilität zuverlässig in den Griff zu bekommen.
So machen wir es (von unten nach oben): Nach Trachtende: Melizitose-Wabenkiste auf das Bodenbrett stellen, danach leere Halbkiste obendrauf, dann 1.Absperrgitter, dann die 1-2 Brutrraum/räume stellen, dann 2. Absperrgitter und oben Honigraum stellen. Die Bienen tragen den Melizitose-Honig von unten nach oben um. Der umgetragene Honig kann geschleudert werden. Die Melizitose feuchten wir vorher an und entdeckeln mit Nadelwalze.
Herr Kusterer,
funktioniert das auch mit Mittelwänden im 2. Honigraum?
Ja. Wir haben das gerade probiert: Über Brutraum, Absperrgitter, dann Honigraum (hier wird der Meilizitosehonig von oben nach unten umgetragen), dann Bienenfluchtbrett (ohne Plastikeinsatz), dann leere Halbzarge, dann Honigraumzarge mit 6 Melizitose-Rähmchen, zum Abschluss Wandergitter und
Blechdeckel: Die Bienen tragen den Melizitosehonig nach unten, essen aber auch viel. Die Rähmchen gut einwässern und den Melizitosehonig aufwalzen, 1 mal wiederholen und die Rähmchen sind sauber.
Sehr schöner Artikel über den Melizitosehonig. Bei uns kommt dieser Honig sehr selten vor.