Die Waldtracht

Die bisherige Lage in 2018

Der bisherige Witterungsverlauf im Frühjahr 2018 hat sich durch die Abfolge „kühler März“ und „warmer April“ ausgezeichnet. So beginnen auch Waldtrachtjahre. Laut Wetterprognose könnte ein „kühler Mai“ folgen, was die Vermehrung von Honigtauerzeugern während des Baumaustriebes begünstigen würde. In Gebieten, in denen Honigtautracht im Sommer möglich ist, lohnt es sich nach den bienenwirtschaftlich wichtigen Honigtauerzeugern zu gucken. Wer beobachtet weiß Bescheid.

Das Blütenangebot ist reichlich, Blatt- und Rindenläuse scheint es weit verbreitet nur sehr wenige zu geben. Sie haben sich im außergewöhnlich warmen Mai während des rasant ablaufenden Austriebes von Bäumen und Sträuchern nur wenig oder gar nicht vermehrt. Ein paar Honigtau spendende Schildläuse waren gegen Mitte Mai auf Fichten und Eichen zu finden. Auf der „Läusepirsch“ der „Ruhrstadtimker“ an Fronleichnam (31. Mai) waren nur wenige Exemplare zu entdecken. Sie waren bereits trocken.

Die Abfolge  „kalter März, warmer April…“ reicht für das Zustandekommen einer Honigtautracht  nicht aus, es wären auch noch „Kälteeinbrüche im Mai (und Juni)“ notwendig gewesen.  Die „Eisheiligen“ sind ausgeblieben, die „Schafskälte“ soll auch ausfallen. Für das Honigen braucht es nicht nur viele Läuse oder viele Blüten. Diese müssen nicht nur „da sein“, sondern auch Honigtau produzieren oder Nektar spenden. Linden tun das nur, wenn sie „im Wasser stehen“. Das ist in 2018 nicht überall der Fall.

Wann ernten wir Honigtauhonig?

  • wenn sich ein Massenbefall von Honigtauerzeugern entwickelt hat,
  • wenn während des Massenbefalls die Witterung die Nutzung der Honigtautracht erlaubt,
  • wenn die Tracht rechtzeitig mit leistungsstarken Bienenvölkern angewandert wird.

„Bienen und Schaf ernähren ihren Herrn im Schlaf“?

Die Bienenhaltung in Deutschland ist von einem starken Rückgang an Imkern und Bienenvölkern gekennzeichnet, der im Westen schon vor der Vereinigung der beiden deutschen Staaten eingesetzt hatte und wahrscheinlich noch viele Jahre anhalten wird. Denn die Imkerschaft ist überaltert. Das Durchschnittsalter der etwa 90.000 Imker (Tendenz abnehmend), die in Deutschland zusammen etwa eine Million Bienenvölker halten, liegt bei fast 60 Jahren. Der Nachwuchs fehlt. Bienen halten ist besonders für junge Menschen wenig attraktiv. Abschreckend wirken neben dem schmerzhaften Stich“vergnügen“, dem sich kein Bienenhalter entziehen kann, das aber mit der Zeit seinen Schrecken verliert, die hohen Kosten am Anfang. In die Grundausstattung wie Bienenkästen, Schleuder und Sonnenwachsschmelzer muss viel Geld gesteckt werden. Und das Besitzen von Bienenvölkern allein genügt nicht, damit sie Honig und Wachs im Übermaß bringen. Man muss auch etwas von ihrer Haltung verstehen, erst dann lohnt sich die Imkerei. Neben einer Grundausbildung, die man sich durch Besuch einiger Kurse am Wochenende und durch Studium von Büchern und Fachzeitschriften aneignen kann, sind einige Jahre Erfahrung notwendig, bis die Haltung von Bienenvölkern leicht fällt und Gewinn abwirft. Etwa fünf Jahre nach dem Einstieg kann das Sprichwort „Bienen und Schaf‘ ernähren ihren Herrn im Schlaf“ durchaus zutreffen, mindestens was die Bienen angeht.

Die Waldtracht von Dr. Gerhard Liebig

Doch auch dann wäre Bienenhaltung kein Honiglecken. Wer seinen Lebensunterhalt als Berufsimker bestreiten will, muss nicht nur einige Hundert Bienenvölker halten (können), er muss auch fit sein in der Vermarktung seiner Bienenprodukte. Deshalb gibt es nur wenige echte Berufsimker in Deutschland. In Baden-Württemberg sind es ein oder zwei Dutzend von etwa 16.000. Ihr Anteil an der Imkerschaft liegt bei etwa ein Promille.

Über die Hälfte der Imker Deutschlands sind südlich des Mains zu Hause. Ein Grund dürfte darin liegen, dass in den Tannen- und Fichtenwäldern Süddeutschlands dunkle Honigtauhonige geerntet werden können, die wegen ihres würzigen Geschmacks beim Kunden sehr begehrt sind und sich deshalb gut und teuer verkaufen lassen, auch deshalb, weil in der Regel die Nachfrage das Angebot übersteigt und es wenig ausländische Konkurrenz gibt.

Leider honigt der Wald nicht jedes Jahr, sein Vorhandensein allein genügt nicht. Eine Wald- und Tannentracht im Sommer kommt nur zustande, wenn sich vorher die bienenwirtschaftlich wichtigen Honigtauerzeuger in Massen vermehrt haben, sodass genügend Honigtau anfällt. Dann muss außerdem das Wetter stimmen, damit die Honigtautracht von den Bienen(haltern) genutzt werden kann.

Neben dem Wald sind in Baden-Württemberg Obst, Löwenzahn und vor allem Raps die bedeutendsten Trachtquellen. Aus der Blütentracht sind Erträge bis zu 50 kg Honig pro Volk möglich. Allerdings nicht überall. Wie bei der Honigtautracht ist auch bei der Nektartracht die Honigleistung eines Bienenvolkes sehr stark vom Standort abhängig. So ist der Honigertrag aus der Rapstracht auf den fruchtbaren Fildern vor der Toren Stuttgarts in der Regel sehr bescheiden. Der Imker kann ein Mehrfaches an Rapshonig ernten, wenn er mit seinen Völkern die Rapsfelder auf der Schwäbischen Alb anwandert.

Wer Erfolg (= viel Honig) haben will, muss nicht nur verstehen, seine Völker so zu führen, dass sie dann, wenn Nektar und Honigtau fließen, leistungsstark sind (und bleiben), sondern vorher (!) dafür sorgen, dass sie zur richtigen Zeit am richtigen Platz stehen. Deshalb ist neben der Völkerführung auch die Beobachtung der Tracht eine wichtige Voraussetzung für ihre optimale Nutzung. Nebenbei wird so bei den betroffenen Kulturpflanzen der Ertrag durch Bestäubung unentgeltlich (!) gesichert. Honigbienen haben in dieser Beziehung ihren wild lebenden Verwandten (Hummeln und Solitärbienen) einiges voraus. Ihr größter Vorteil: Sie sind bereits im Frühjahr in großer Zahl vorhanden, weil sie als einzige Bienenart in Volksstärke überwintern. Das macht sie als Bestäuber auch für viele Wildpflanzen so wertvoll.

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