Kleine und Große Fichtenquirlschildlaus

Merkmale

Die weiblichen Tiere sind 2.5-6 mm lang, 2-5 mm breit, unsegmentiert, kugelig oder kaffeebohnenförmig verlängert, glänzend, hell kastanienbraun, gelegentlich etwas rötlich gefleckt. Sie sitzen meist in Gruppen in den Fichten-Triebachseln der vorjährigen Triebe. Männliche Tiere sind deutlich kleiner als die Weibchen und geflügelt. Sie sitzen direkt an den Nadeln der Fichten.

Lebensweise

Die Weibchen werden im Mai/Juni geschlechtsreif und legen unter ihrem Schild etwa 3000 rote Eier ab. Noch im selben Monat schlüpfen die blassroten Larven und setzen sich entweder an den Quirlen der Wirtszweige (zukünftige Weibchen) bzw. an den Nadeln schwachwüchsiger Zweige (zukünftige Männchen) fest. Im September färben sie sich braun und wandern in den obersten Knospenquirl zur Überwinterung. Im Frühjahr des Folgejahres wachsen sie zu Imagines aus.

Bedeutung

In Mitteleuropa sind die Kleine und die Große Fichtenquirlschildlaus von besonderer Bedeutung, da sie zu den Honigtauerzeugern zählen. Die Große Fichtenquirlschildlaus (Physokermes piceae) befällt insbesondere Waldbestände mit Fichten (Picea spp.), wobei die Kleine Fichtenquirlschildlaus (Physokermes hemicryphus) auch an Weißtanne (Abies alba) angetroffen wird. Während letztere überwiegend an älteren Bäumen zu finden ist, Standorte mit kalten vernässten Böden oder sehr trockenem Untergrund werden bevorzugt, besiedelt die Große Fichtenquirlschildlaus (Physokermes piceae) bevorzugt jüngere Pflanzen, besonders bei anhaltend trockener Witterung.

Als Schädlinge treten Physokermes selten in Erscheinung, allenfalls auf trockenen Standorten und in jungen Kulturen können Schäden verursacht werden. Dabei saugen die Tiere den Saft aus allen oberirdischen Teilen, wodurch die Pflanzen geschwächt wird und die Entwicklung der jungen Trieben leiden kann. Es treten Verfärbungen durch vertrocknete Nadeln und Äste auf, was bei akutem Befall auch die gesamte Pflanze betreffen kann. Indirekte Schäden können durch die Ausscheidungen entstehen, die einen charakteristischen grau-schwarzen Lack erzeugen, der später noch dunkler wird und die Photosynthese verringern kann.

Bei gehäuftem Auftreten in Gebieten mit warmem und trockenem Klima sind sie als Honigtauerzeuger bei Imkern gern gesehen. Mitunter entwickelt sich auf dem ausgeschiedenen Honigtau schwarze Rußtaupilze, die die Nadeln und Sproßabschnitte schwarz färben.

Das Verbreitungsgebiet der beiden Lausarten deckt sich mit dem Vorkommen der Wirtsbaumarten Fichte und Weißtanne.

Die Läuse saugen zuckerhaltigen Saft aus dem Bast und den Nadeln der Bäume. Dabei wechseln sie die Saugstelle im Normalfall nur nach einer Häutung. Durch die Produktion von Honigtau tragen sie erheblich zur Fichtentracht bei. Auf dem Honigtau entwickeln sich schwarze Rußtaupilze, die den Zweigen bei starkem Befall ein schmieriges Aussehen verleihen können.

Beide Lausarten entwickeln nur eine Generation mit einer festen Abfolge von Entwicklungsstadien im Jahr. Die Dauer ihrer Entwicklung und die Größe der Läuse hängen stark von der Witterung und vom Nahrungsangebot ab. Die beiden Fichtenquirlschildlausarten sind sich sehr ähnlich, jedoch unterscheiden sie sich in allen Entwicklungsstadien in der Größe.

Kleine Fichtenquirlschildlaus

Die Kleine Fichtenquirlschildlaus lebt bevorzugt an älteren Fichten (Picea abies), zum Teil auch an Weißtannen (Abies alba) von den ebenen Lagen bis hin zur Baumgrenze. Die kugelförmigen Weibchen sitzen unter Knospenschuppen an Zweiggabelungen. Zu Beginn des Frühjahrs sind sie etwa 1 mm lang, 1 mm breit und rötlich. Ab Mai nimmt ihre Größe schnell auf 3-4,5 mm Durch-messer zu, der Leib treibt knospenförmig auf und wird kaffeebraun. In diese sogenannte Brutblase hinein werden im Juni/Juli die Eier gelegt, woraufhin die Muttertiere absterben. Die ebenfalls rötlichen Erstlarven schlüpfen im Juli/August und wandern unter die Knospenschuppen von Zweiggabelungen (Weibchen) oder an die Nadelunterseiten (Männchen).

Die Vermehrung läuft in der Regel ungeschlechtlich. Die langgestreckten, geflügelten rotbraunen Männchen treten nur spärlich auf. Sie sitzen unter einem schildförmigen weißlichen Wachssekret. Bei beiden Geschlechtern überwintert das zweite Larvenstadium nach der ersten Häutung im September.

Große Fichtenquirlschildlaus

Die Große Fichtenquirlschildlaus findet man vor allem an jüngeren Fichten, dabei auch auf Picea pungens, P. argentea, P. sitchensis und andere nicht heimische Fichtenarten. Die Weibchen sind anfangs oval, rötlich bis gelblich und etwas größer als die der Kleinen Fichtenquirlschildlaus. Ihre Brutblase wird ca. 7-8 mm groß und ist glänzendbraun. Die Eiablage erfolgt je nach Witterung im Mai/Juni, das Schlüpfen der Erstlarven Ende Juni/Anfang Juli.

Nach der ersten Häutung im August/September wandern die Zweitlarven an die diesjährigen Triebe: die Weibchen der Großen Fichtenquirlschildlaus entwickeln sich nicht nur unter Knospen-schuppen, sondern auch äußerlich sichtbar am Holz der Triebe. Meist findet man sie an den Verzweigungsstellen des Feinreisigs. Die zahlreich vorhandene, länglich geformten Männchen wie-derum sitzen an den Unterseiten der Nadeln unter einer weißlichen Wachsschicht. Auch hier überwintert das zweite Larvenstadium unter Knospenschuppen.

Referenzen

  • Schmutterer H. (1956). Zur Morphologie, Systematik und Bionomie der Physokermes-Arten an Fichte (Homopt. Cocc.). Z. angew. Entomologie 39: 445-466.
  • Schmutterer H. (1965). Zur Ökologie und wirtschaftlichen Bedeutung der Physokermes-Arten (Homopt. Cocciodea) an Fichte in Süddeutschland. Z. angew. Entomologie 56: 300-325.
  • Schwenke W. (1972). Die Forstschädlinge Europas. Band 1. Parey Hamburg und Berlin: 413-417

Quelle: Diana Weigerstorfer, Abt. Waldschutz BW

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