Jahreszyklus von Lecanien

Lecanien (Quirlschildläuse, z. B. Physokermes-Arten) gehören zu den bedeutenden Honigtauerzeugern in Mitteleuropa. Sie sind insbesondere in Fichten- und Tannenbeständen aktiv und können für eine frühe Waldtracht sorgen. Im Unterschied zu anderen Honigtauerzeugern wie Lachniden ist der Entwicklungsverlauf von Lecanien in der Regel jahreszeitlich vorhersehbarer und eng an den Verlauf des Vorjahres gekoppelt.

Saisonale Entwicklung der Lecanien

Lecanien sind Teil der Insektenordnung Hemiptera und zeichnen sich durch ihren spezifischen Lebenszyklus aus, bei dem die Population häufig auf einem Stammpflanzen-Wirt (z. B. Fichte) verbleibt und ihre Entwicklung in enger Beziehung zur Jahreszeit vollzieht. Wie bei vielen Blattlaus- und Schildlausarten beginnt der Lebenszyklus nach der Überwinterung, sobald sich die Temperaturen im Frühjahr erhöhen und die Bäume austreiben.

Schematische Darstellung des Jahreszyklus der Lecanien-Population im Waldhonigkontext
Schematische Darstellung des Jahreszyklus der Lecanien-Population im Waldhonigkontext

Beobachtungsrelevante Eigenschaften

Für Praktiker und Imker sind folgende Merkmale besonders wichtig, weil sie die zeitliche Planung und Prognose der Honigtautracht beeinflussen:

  • Lecanien durchlaufen in der Regel nur eine Hauptgeneration pro Jahr. Diese entsteht, weil der Großteil der Entwicklungsphasen bereits im Vorjahr beginnt und die Population im Frühjahr rasch trachtrelevant wird.
  • Die Vermehrung der Stammmütter findet überwiegend im Vorjahr statt; die Jungstadien überwintern und treten im Frühjahr gleichzeitig mit dem Austrieb der Fichtennadeln oder -triebe hervor.
  • Dadurch ist eine frühzeitige Prognose der Trachtwahrscheinlichkeit möglich, weil der Entwicklungsstand der Populationen bereits zu Beginn der Saison erkennbar ist.

Imker können Lecanienpopulationen oft schon im April bis Juni beobachten, indem sie an geeigneten Standorten nach den charakteristischen Quirlschildläusen Ausschau halten und ihre Dichte beurteilen.

Populationsdynamik und Trachtrisiko

Die Populationsdynamik von Lecanien ist im Jahresverlauf weniger volatil als bei anderen Honigtauerzeugern. Viele Arten sind an ihre Wirtsbäume adaptiert und verbleiben über längere Zeit an der Rinde, wo sie kontinuierlich Honigtau ausscheiden, sobald sie aktiv sind.

Grafische Darstellung des Populationsverlaufs von Lecanien über die Saison mit stabilem Anstieg bis zur Tracht
Grafische Darstellung des Populationsverlaufs von Lecanien über die Saison mit stabilem Anstieg bis zur Tracht

Weil bei Lecanien bereits im späten Vorjahr die Entwicklungsgrundlage gelegt wird, ist die jährliche Trachtentwicklung häufig gleichmäßiger und vorhersehbarer als etwa bei schnell vermehrenden Arten. Andererseits können klimatische Abweichungen oder ungewöhnliche Winterstürme auch hier die Populationsentwicklung beeinflussen.

Einordnung für die Trachtbeobachtung

Für die praktische Trachtprognose bedeutet dies: Die Beobachtung von Lecanien liefert früh im Jahr wertvolle Hinweise darauf, ob eine Waldhonigtracht stattfinden kann. Da die Populationen tendenziell eine einzige, starke Aktivitätsphase durchlaufen, können Imker mit einer gezielten Beobachtung bereits im Frühjahr aussagekräftige Einschätzungen treffen und ihre Völker entsprechend disponieren.

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