Die Beobachtung von Honigtauerzeugern erfordert ein systematisches Vorgehen, da sich die relevanten Insektenarten, ihre Entwicklungsstadien und ihre Aufenthaltsorte im Jahresverlauf deutlich unterscheiden. Die folgenden Tabellen bieten eine praxisorientierte Übersicht, welche Arten an Fichte und Tanne zu welchen Zeitpunkten beobachtet werden sollten und mit welchen Methoden sich ihre Bestandsentwicklung abschätzen lässt.
Die Angaben sind als Orientierungshilfe zu verstehen. Regionale Unterschiede, Witterungsverlauf und Bestandesstruktur können die zeitlichen Abläufe verschieben. Entscheidend ist stets die Kombination aus wiederholter Beobachtung und Erfahrung vor Ort.
Beobachtung an Fichte (Picea abies)
Kleine Fichtenquirlschildlaus (Physokermes)
| Entwicklungsstadium | Typischer Fundort | Bezugsgröße | Beobachtungsmethode | Zeitraum |
| Wanderlarven | Waldboden unter Fichten | Anzahl pro m² Bodenfläche | Abstürzende Larven während der Wanderphase mit beleimten Glasplatten oder Auffangflächen sammeln | August – September |
| Überwinterungslarven | Jüngste Quirle schwachwüchsiger Zweige | Anteil befallener Quirle, Tiere pro Quirl | Schwachwüchsige Zweige abschneiden, repräsentative Anzahl an Quirlen sammeln und unter dem Binokular untersuchen | Oktober – Februar |
| Heranwachsende Tiere | Wie oben | Wie oben | Wie oben; Schwerpunkt auf Größenentwicklung und Besatzdichte | März – Mai |
| Honigende Tiere | Wie oben | Wie oben | Fortlaufende Kontrolle der Besatzdichte und Honigtauabgabe | Mai – Juni |
Große Fichtenquirlschildlaus
| Besonderheiten | Beobachtungsmethodik grundsätzlich wie bei der Kleinen Fichtenquirlschildlaus, jedoch bevorzugt an starkwüchsigen Zweigen. Die Auswahl geeigneter Probebäume ist entscheidend. |
Fichtenrindenläuse (Cinara-Arten)
| Art | Entwicklungsstadium | Fundort | Bezugsgröße | Beobachtungsmethode | Zeitraum |
Rotbraune bepuderte Fichtenrindenlaus |
Stammütter, Primärkolonien | Vorjährige Nebentriebe | Anzahl pro Baum, Koloniegröße unter Berücksichtigung des Austriebs | Jungfichten in Mannshöhe sorgfältig absuchen, Anzahl, Größe und Zusammensetzung der Kolonien beurteilen | April – Mai |
| Geflügelte Tiere, Sekundärkolonien | Starkwüchsige Maitriebe (Wipfelbereich) | Wie oben | Wie oben | Mai – Juni | |
Große schwarze Fichtenrindenlaus |
Primärkolonien | Daumen- bis armdicke Zweige, oft auf wenige Bäume konzentriert | Anzahl und Größe der Kolonien pro Baum | Auch bei fehlendem Nachweis einzelner Kolonien ist ein späterer Massenbefall möglich – Beobachtung wiederholen | April – Mai |
| Sekundärkolonien, Geflügelte | Nadellose Äste erster Ordnung, stärkere Stämme | Anzahl und Größe der Kolonien | Ältere Trauffichten und Bestände in Dickungen systematisch absuchen | Juni – Juli | |
Graugrün gescheckte / Grüngestreifte Fichtenrindenlaus |
Kolonien | Unterseite benadelter, nicht im Maitrieb befindlicher Zweige | Anzahl und Größe der Kolonien pro Baum | Trauffichten und Fichten in Dickungen sorgfältig kontrollieren | Juni – Juli |
Stark bemehlte Fichtenrindenlaus |
Kolonien | Zwei- bis mehrjährige, schwachwüchsige Triebe | Anzahl pro Baum | Schwachwüchsige Zweige gezielt absuchen | Mai – Juli |
Beobachtung an Tanne (Abies alba)
Tannenrindenläuse
| Art | Entwicklungsstadium | Fundort | Bezugsgröße / Methode | Zeitraum |
Große schwarzbraune Tannenrindenlaus |
Primär- und Sekundärkolonien, Geflügelte | Entsprechend der Großen schwarzen Fichtenrindenlaus, jedoch ausschließlich an Weißtanne | Analog zur Beobachtung an Fichte | Mai – September |
Grüne Tannenhoniglaus |
Eier | Unter- und Oberseite ein- und mehrjähriger Nadeln | Zweige ausschneiden, vermessen und Nadel für Nadel kontrollieren | November – Februar |
| Larven und adulte Tiere | Tannenzweige, Wasserreiser | Abklopfen über Fangtuch (ca. 60 × 60 cm) oder Kontrolle über weißem Karton | Mai – Oktober | |
| Honigtauabgabe | Unter den befallenen Zweigen | Auslegen von DIN-A4-Papier zur Erfassung von Honigtautropfen pro Zeit- und Flächeneinheit | Juni – September |
Hinweis: Die dargestellten Methoden basieren auf langjährigen Beobachtungen aus der Praxis und der Bienenforschung. Sie ersetzen keine Erfahrung vor Ort, bieten jedoch eine belastbare Grundlage, um die Entwicklung der Waldtracht strukturiert und nachvollziehbar zu verfolgen.